Liebe Menschen
Lieber Menschen,
willkommen im Wonnemonat – möge er schneefrei bleiben und nein das ist keine Anspielung auf den Drogenkonsum mancher Menschen.
Der Frühling ist da und in Boston haben Islamisten einen Marathon zerbombt. Die ganze Welt steht Kopf, wie so etwas nach 9/11 noch passieren könnte. Gerade so als bestünden die USA aus drei Dörfern, auf die der Dorfpolizist nicht richtig aufgepasst hätte. Terror kann man nicht verhindern.
Bei uns macht sich derweil ein Landgericht zum Vollpfosten, in dem es ihm nicht gelingt, eine vernünftige Vergabe von Sitzen an die Pressevertreter zu organisieren.
Vor lauter Vergabetamtam wird das Verfahren am Ende noch eingestellt, weil es verjährt ist. Auch das kann eine Taktik der Verteidigung sein, die Sturm, Braus und Führer heißt oder so ähnlich. Jedenfalls sehr martialisch daherkommt.
Beate Zschäpe hätte bestimmt nicht erwartet, in ihrem Leben einmal so im Vordergrund zu stehen. Schließlich war sie doch die Frau im Hintergrund, die ihren beiden Liebhabern den Rücken frei hielt. Bis auf die etwas laschen Moralvorstellungen was Zweier- und Dreierbeziehungen angeht also als eine gute deutsche Frau. Nut dass sie eben keine zehn Kinder hat, die sie dem Führer schenken könnte.
Das Hickhack soll vielleicht auch darüber hinwegtäuschen, worum es bei diesem Verfahren geht: Um die Monstrosität der letzten Jahre, in denen nicht nur das NSU-Mordtrio vollkommen ungehindert seinen grausam-perversen Tätigkeiten nachgehen konnte und dabei von vielen Seiten Unterstützung erhielt. Nein, es wird auch immer wieder darüber hinweggetäuscht, wie schweigsam unsere Gesellschaft mit diesem Terror umgeht.
Niemand möchte die „An die Wand-stellen“- Debatte der RAF-Zeit zurückhaben aber etwas mehr gesellschaftlicher Diskurs wäre angebracht. Wie konnte es sein, dass sie Angehörigen der Opfer verdächtigt wurden, obwohl die Spuren in völlig andere Richtungen liefen. Wie konnte einem harmlosen Blumenhändler eine komplette zweite Identität untergeschoben werden, für die es nicht die geringsten Anzeichen gab?
Dann kommt das Landgericht daher und vergibt die Plätze erst nach Gutsherrenart, wie das im Freistaat wohl häufiger der Fall ist und – gerügt vom Bundesverfassungsgericht – verschiebt es den Termin erst einmal ganz, womit einigen Angehörigen die Teilnahme als Nebenkläger oder Zeugen schwer gemacht wird.
Da wäre es anständig, die Kosten zu übernehmen, oder nicht? Da wäre Geld aus der Staatskasse einmal wirklich gut angelegt.
Ich wünsche allen treuen Lesern einen schönen Wonnemonat!
Auf der Bühne bin ich im Mai mehr außerhalb Berlins anzutreffen.
Die Termine gibt es wie immer unter www.helene-mierscheid.de.
Herzlich
Ihre/Eure
Helene Mierscheid


